Die Migration der Deutschen

Wir leben in einer Gesellschaft, in der es ganz selbstverständlich ist, ein Dach über dem Kopf, ein Bett mit weichen Matratzen zum Schlafen und ausreichend zu Essen zu haben. Hinzu kommt noch ein großes – wenn auch stellenweises löchriges – soziales Netz, durch das jedem eine Existenzgrundlage wie Nahrung, Bildung, Wohnung und medizinische Versorgung gesichert werden kann. Damit gehört Deutschland zu den wenigen Ländern dieser Erde, in denen Hunger, Obdachlosigkeit, Gewalt, Kinderarbeit,  Analphabetismus eher zu den Ausnahmen zählen, während sie woanders ständig an der Tagesordnung stehen.

Während sich ein Großteil der Deutschen Gedanken darüber macht, wohin sie im nächsten Jahr in den Urlaub reisen, sieht sich ein Vielfaches an Menschen in einigen Teilen der Erde gezwungen, ihre Heimat zu verlassen, um wenigstens überleben zu können. Ob durch Kriege oder Naturgewalten, politische Verfolgung oder große Armut, Auswanderungen hat es seit Beginn der Menschheit gegeben. Im Grunde stammen auch die Deutschen von Aus- bzw. Einwanderern oder Eroberern ab, ob es nun die Hunnen, die Hugenotten, die Römer oder die Wikinger waren. Oder nehmen wir die USA, die sich im Grunde nur aus Nachfahren von Auswanderern zusammensetzt. Deshalb sollte man das Thema Migration nicht zu eng sehen, etwa als Bedrohung seines Arbeitsplatzes, seiner Kultur oder seiner Gewohnheiten, sondern auch als Chance etwas vom Überfluss abzugeben und auch etwas von anderen zu lernen.

Inzwischen suchen auch viele Deutsche in der weiten Welt eine neue Heimat. Doch im Gegensatz zu anderen, können sie ihre Auswanderung vorher planen und die nötigen finanziellen und organisatorischen Vorkehrungen treffen. Als Deutscher ist man eigentlich auch überall willkommen, schätzt doch jeder die typisch deutschen Eigenschaften wie Fleiß, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Das einzige was vielen noch fehlt ist ein wenig Toleranz, Offenheit und Anpassungsfähigkeit fremden Kulturen gegenüber, weshalb nicht wenige bald wieder ihre Koffer, Möbel und Gardinen packen und in die Heimat zurückkehren. Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert, auch wenn man dabei nur feststellt, dass es hier doch am schönsten ist.